Sein letztes Lebensjahr begann wie alle zuvor. Anfang des Jahres kam Josef ins Büro, um mit uns Termine zu checken und diese dann in seinen kleinen Taschenkalender penibel genau einzutragen. Auch für uns war das schon ein Ritual, denn so stimmten wir jene Termine ab, wo er uns noch tatkräftig unterstützte. Ein Fixtermin war immer die AB HOF-Messe Anfang März in Wieselburg, wo er mit seiner Elfriede zum 19. Mal den Messestand betreute. Er liebte den Umgang mit Menschen und so war auch der jährliche Rundgang zu langjährigen Ausstellern ein Fixpunkt in diesen Tagen. Im Gepäck fehlten auch nie Gläser und einige Flaschen Wein vom Weingut Ribisch aus seiner väterlichen Heimat in Niederösterreich, um mit treuen Kunden, ehemaligen Schulkollegen und Wegbegleitern anstoßen zu können.

 

Die ehemaligen Schulkollegen waren großteils Maturakollegen, mit welchen er 1964 an der HBLA Wieselburg in der Fachrichtung Landtechnik maturierte. Um in die Fußstapfen seiner Eltern treten zu können, welche kurz vor Kriegsende in Weiz eine Molkerei aufbauten, bildete er sich im Anschluss daran im Molkereiwesen an der Bundesanstalt für Milchwirtschaft in Wolfpassing weiter, welche er 1968 mit der Meisterprüfung abschloss. Am 1. März 1969 übernahm er von seinem Vater die technische Betriebsleitung der Weizer Molkerei und baute diese bis zum Jahr 1990 auf ein Verarbeitungsvolumen von 40.000 to Milch pro Jahr aus.

 

Zu Beginn der neunziger Jahre setzte das große Rationalisieren in der österreichischen Molkereilandschaft ein. Zuerst wurde „seine“ Molkerei von der Berglandmilch übernommen und kurze Zeit später geschlossen. Nach diesem ungewollten Ende kurz vor seinem fünfzigsten Geburtstag musste er sich neu orientieren und nach einigen Weiterbildungen bekam er als selbständiger Betriebsberater erste Aufträge für Beratungen zur Joghurtherstellung. Diese Aufträge kamen aus der neu entstandenen Gruppe der steirischen Schulmilchbauern, welche sich nach dem sukzessiven Rückzug der Molkereien aus den Schulen bildete. Im August 1995 kam es dann zur Initialzündung für unser heutiges Unternehmen: Die Schulmilchbauern benötigten Frucht-zubereitungen, Josef hatte die Kontakte und die Steirerobst (heute Agrana Fruit) wollte keinen Detailhandel und suchte einen Zwischenhändler. Da auch andere Hilfsstoffe, wie z.B. Kulturen, benötigt wurden, erkannte Josef diese Marktlücke und Geschäftsidee. Die ersten Gehversuche unter dem Namen „Oblacta“ waren vielversprechend und so entschlossen sich Josef und Elfriede Mayer im Jänner 1998 zur Gründung der eigenen „Ing. J.&E. Mayer OEG“!

 

2005 war ein wichtiges Jahr für Josef. Nach Übergabe der Geschäftsführung, der Umbenennung in „Mayer & Geyer“ und dem Bürozubau am damaligen Standort, ging er Ende des Jahres in Pension. Dass Pensionisten weniger Zeit haben als vorher, bewahrheitete sich auch bei ihm. Er genoss seinen neuen Lebensabschnitt, reiste viel und speziell die jährliche Leserreise vom „Sonntagsblatt“, welche ihn zu guter Letzt nach Schweden führte, war ein weiterer Fixtermin in seinem Kalender. Mit dabei war auch immer seine Kamera mit GPS-Funktion, damit er beim Anfertigen seiner humorvollen Reiseberichte immer auf die richtigen Standorte verweisen konnte.

 

Ein Fixpunkt in seinem Leben war Gattin Elfriede. Mit ihr zusammen „werkelte“ er viel im geliebten Garten und genoss diese Oase der Ruhe dann meist am Abend bei einem gepflegten Glas Wein am großen Gartenteich. Ganz oben auf seiner Prioritätenliste standen auch große Familienfeiern. Beim „Osternesterlsuchen“ war der Garten für die vier Kinder mit den zwölf Enkerln fast schon zu klein, um noch alles richtig gut verstecken zu können, bei der Sommerparty wurde für zweiundzwanzig Personen gegrillt und auch schon mal die Gitarren geholt und gesungen. Der riesige Kastanienbaum lieferte meist die Grundlage für ein großes Kastanienbraten im Oktober - diesmal war allerdings schon alles anders:

 

Als er Ende September scheinbar einen Kreislaufkollaps erlitt, dachte noch niemand daran, dass sich knapp zwei Wochen später die schlimmsten Befürchtungen in Form eines nicht mehr operablen, bösartigen Gehirntumors bewahrheiten sollten.

 

Wir nutzten das schöne Herbstwetter, unternahmen bis Ende Oktober mit ihm noch einige Ausflüge und luden auch ein paar enge Freunde zu ihm nach Hause ein. Die Krankheit schritt rasch voran und so konnte man ihm die nächste große Familienfeier nicht mehr zumuten. Seinen 72. Geburtstag Ende November konnte er nur mehr ganz bescheiden zuhause mit Elfriede und seinen Kinder feiern. In den immer weniger werdenden guten Momenten erinnerte er sich an lange zurückliegende Begebenheiten in seinem Leben und erfreute sich sehr an ruhiger, verträumter Musik. Einige Tage später mussten wir ihn dann schweren Herzens ins Krankenhaus bringen, wo er am 13. Dezember von seinem Leiden erlöst wurde und friedlich einschlief. - „Wenn die Kraft zu Ende geht, ist Erlösung Gnade.“

 

Josef hat unser Unternehmen, mit Hilfe seiner Frau Elfriede, tatkräftig und mit viel Elan sowie großem persönlichen Einsatz aufgebaut. Von Anfang an setzte er auf hohe Qualität, nicht nur bei den Produkten, sondern auch in der Beratung. Sich um die Kunden bemühen war sein Leitsatz und so erinnern wir uns noch an Einsätze, wo er selber am Wochenende mit dringender Ware zu den Kunden, einmal sogar nach Deutschland, unterwegs war. Auch noch nach seiner Pensionierung war er uns eine wertvolle Hilfe, z.B. am Messestand bzw. als kompetenter Ansprechpartner rund um alle Themen der Milchverarbeitung. Er war stets hilfsbereit und mit seinen vielen wertvollen Tipps wird er auch in Zukunft immer in unserer Erinnerung sein! Ohne sein Engagement würde es unsere Firma heute nicht geben! Dafür danken wir ihm von ganzem Herzen!

 

In liebem Gedenken,

 

Andreas & Silvia Geyer, im Namen aller Mitarbeiter!